Stell dir vor, du schreibst einen Roman.
Deine Hauptfigur hat Depressionen. Ihr bester Freund ist schwul. Die Mutter hat Krebs. Und irgendwo auf Seite 217 stirbt jemand.
Herzlichen Glückwunsch. Du hast sensible Themen im Manuskript.
Und jetzt? Vielleicht suchst du nach professioneller Unterstützung und stolperst über Begriffe wie Lektorat für sensible Themen und Sensitivity Reading. Klingt irgendwie verwandt. Ist es auch. Aber nicht dasselbe.
Und weil ich Romane mit sensiblen und LGBTQIA+ Themen lektoriere, aber kein Sensitivity Reading anbiete sollten wir das auseinanderklamüsern. Ordentlich.
Sensible Themen sind Teil deines Romans
Krankheit, Trauma, psychische Belastungen, LGBTQIA+ Lebensrealitäten, Verlust, Krisen oder Selbstfindung können sensible Themen sein.
Aber dein Roman wird dadurch nicht zu einer eigenen Textsorte.
Vielleicht hat deine Figur eine Depression, obwohl du eigentlich eine Liebesgeschichte erzählst. Vielleicht ist dein Protagonist schwul, ohne dass seine sexuelle Orientierung zum Konflikt wird. Vielleicht bestimmt eine traumatische Erfahrung die Entwicklung deiner Hauptfigur.
Das sensible Thema ist Teil deines Romans. Und genau diesen Roman lektoriere ich. Nicht seine Depression. Nicht seine Homosexualität. Nicht seinen Krebs. Ich lektoriere den Roman.
Was bedeutet Lektorat für sensible Themen
bei Wortklinik Plus?
Ich schaue auf Sprache und Stil, Figuren, Dialoge, Handlung, Verständlichkeit, Logik, Wirkung und Stimmigkeit.
Und natürlich schaue ich dabei auch auf sensible Themen, denn sie gehören zur Geschichte. Dabei bringe ich meinen beruflichen Hintergrund mit: Ich bin Lektorin, Krankenschwester und Kauffrau im Gesundheitswesen, arbeite seit rund 25 Jahren mit Menschen und beschäftige mich intensiv mit LGBTQIA+ Lebensrealitäten.
Das schalte ich beim Lektorieren nicht aus. Wäre auch ziemlich bescheuert.
Wenn eine medizinische Darstellung nicht stimmt, eine Reaktion nicht nachvollziehbar ist oder eine Figur auf ein Klischee reduziert wird, schaue ich hin. Denn sensible Themen brauchen für mich nicht automatisch vorsichtige Texte. Sie brauchen bewusste Texte.
Und was ist dann Sensitivity Reading?
Jetzt ziehen wir die klare Linie.
Der Unterschied liegt nicht darin, dass beim Sensitivity Reading sensibel hingeschaut wird und beim Lektorat nicht.
Der Unterschied liegt im Auftrag.
Nehmen wir einen Roman, dessen Hauptfigur an Depressionen erkrankt.
Beim Lektorat ist mein Auftrag der gesamte Roman. Ich prüfe, ob Geschichte, Figuren, Sprache, Dialoge und Handlung funktionieren. Weil die Depression Teil dieser Geschichte ist, gehört auch sie selbstverständlich dazu.
Beim Sensitivity Reading steht dagegen gezielt die Darstellung einer bestimmten Lebensrealität oder Perspektive im Mittelpunkt: Werden Stereotype bedient? Gibt es problematische Zuschreibungen oder blinde Flecken? Wie könnte diese Darstellung auf Menschen wirken, die diese Lebensrealität selbst kennen?
Deshalb können sogar dieselben Seiten auf dem Tisch liegen, und trotzdem wird etwas anderes damit gemacht.
Der Unterschied liegt im Auftrag.
Lektorat für sensible Themen: Der Roman wird lektoriert. Die sensiblen Themen gehören zu ihm.
Sensitivity Reading: Eine bestimmte Darstellung oder Perspektive wird gezielt geprüft.
Gleicher Text möglich. Anderer Auftrag. Andere Fragestellung. Andere Dienstleistung. Und genau deshalb trenne ich beides.
Was kannst du bei mir erwarten?
Ich biete Lektorat für Romane mit sensiblen und LGBTQIA+ Themen an, und kein Sensitivity Reading unter einem anderen Namen.
Ich schaue genau hin und sage dir, wenn etwas für mich nicht funktioniert, widersprüchlich wirkt oder fachlich nicht stimmt. Aber ich möchte deinen Roman nicht glatt oder harmlos machen.
Figuren dürfen Arschlöcher sein.
Menschen dürfen falsche Entscheidungen treffen.
Ein Roman darf wehtun.
Und wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein. Es ist dein Roman.
Meine Aufgabe ist, dir fachlich begründet zu zeigen, wo es etwas zu entscheiden gibt. Schreiben musst du dein Buch selbst. Denken übrigens auch. 😏

